Lebensfragen / 3

VonPeter W.

Lebensfragen / 3

Monatsbeitrag März 2021:  Schicksal oder Zufall?

 Schicksal oder Zufall?

von Peter W. Köhne

Unglück?

Vorweg eine kleine Geschichte, die von einem spirituellen Meister erzählt wurde:

Es war einmal ein armer alter Mann in einem kleinen Dorf, dem war im Frühling sein einziges Pferd davon gelaufen.
Der reiche Nachbar kam zu ihm und sprach: „So ein Unglück, das tut mir aber leid“.
Doch der alte Mann blieb ruhig und sagte nur: „Ob es ein Unglück ist? Das weiß man nicht. Es wird sich zeigen.“ 

Im Sommer kam das Pferd auf einmal zurück. Nicht allein, sondern in Begleitung von einem Dutzend wilder Pferde.
Der reiche Nachbar kam und gratulierte dem alten Mann zu seinem unverhofften Glück.
Doch der alte Mann blieb ruhig und sagte nur: „Ob es ein Glück ist? Das weiß man nicht. Es wird sich zeigen.“  

Es war im Herbst, als der Sohn des alten Mannes auf die Idee kam, das wildeste der wilden Pferde für sich zuzureiten.
Da passierte es: Das Pferd bäumte sich auf, der Sohn stürzte  aus dem Sattel – und brach sich sämtliche Knochen.
Der reiche Nachbar hatte den Vorfall beobachtet und sprach: „So ein Unglück, das tut mir aber leid.“
Doch der alte Mann blieb ruhig und sagte nur: „Ob es ein Unglück ist? Das weiß man nicht. Es wird sich zeigen.“  

Im Winter gab es plötzlich Krieg. Alle jungen Männer wurden eingezogen und mussten an die Front. Aber der Sohn des alten Mannes durfte zu Hause bleiben.
Seine Knochen waren noch nicht richtig verheilt und ein Arm war steif geblieben. Der Sohn des reichen Mannes aber musste in den Krieg ziehen.
„Da hast du aber wirklich Glück gehabt“, sagte der reiche Nachbar.
Doch der alte Mann blieb ruhig und sagte nur: „Ob es ein Glück ist? Das weiß man nicht. Es wird sich zeigen.“

Diese Geschichte zeigt eine Grundhaltung, die sich als „wer weiß, wofür’s gut ist“ beschreiben lässt. Der Hintergrund zeigt ein Verständnis, das sich aus der viel beschriebenen  Polarität ergibt, dass nichts ohne sein Gegenteil existieren kann. Jedes Unglück birgt auch das Glück in sich, so wie jedes Problem nicht ohne seine Lösung existieren kann, wir müssen es nur erkennen.

Schicksal

Das Schicksal hat viel Namen, die sowohl negativ „fatum“ als auch positiv „fortuna“ sein können. Es tritt oft sehr abrupt in unser Leben. Oft wird es als eine unpersönliche Macht beschrieben, die über den Menschen waltet. Aber auch persönliche Mächte sind für das Schicksal bestimmend wie Schicksalsgöttinnen Moiren bei den Griechen, die Parzen bei den Römern oder die Nornen bei den Germanen.

Im Christentum ist das Schicksal personifiziert „von Gott gegeben“ und wird oft als Strafe oder Prüfung empfunden. Hier liegt häufig der Glaube an eine göttliche Vorsehung, an ein vorbestimmtes Schicksal zu Grunde, Über Kismet, wie das Schicksal im Islam bezeichnet wird, sagt der Koran in Sure 57/22.u.23:

22. Kein Unglück trifft die Erde, auch euch nicht, das nicht im Buch (ewigen Ratschlusses) genannt wäre, bevor wir es werden ließen. Wahrlich, dies ist für Allah ein Leichtes. 23.  Auf dass ihr nicht betrübt seid, was euch entgangen ist und euch nicht darüber freut, was euch gegeben ist.

Kismet ist also der Anteil, den wir vom Leben bekommen.

Der ZEN Buddhismus geht davon aus, dass das Leiden zum Leben gehört, es lasse sich nicht ausschließen, aber: Wenn Du wissen willst, was in der Zukunft passiert, achte auf Deine Gedanken und Deine Gefühle. Hierbei wird unser Anteil am Schicksal deutlicher, es ist unsere Selbstverantwortung, die unsere Zukunft bestimmt.

Freier Wille

Im Wort Schicksal ist schicken versteckt. Wer schickt uns denn so etwas wie Schicksal? Wir selbst! Damit kommen wir zu einem bedeutenden Spannungsfeld:

Schicksal  <<<  >>>  Freier Wille

Der freie Wille ist uns allen eigen. Die genannte Selbstverantwortung ist die Basis, wir entscheiden, was in unserem Leben passiert. Wir sind es auch, die dafür die Verantwortung tragen und nur wir! An dieser Stelle kommen wir zum Kern der Sache, zu einem  universellen Gesetz, dem Gesetz von Ursache und Wirkung, das für den gesamten Kosmos Gültigkeit hat, den Menschen nicht ausgenommen. Aus fernöstlichen Lehren ist es auch als Karma bekannt. Dieses Thema behandele ich in einem späteren Blog ausführlicher, denn irgendwo muss das Schicksal ja einen Sinn haben, keine Schuld, keine Strafe, keine Prüfung, keine Belohung. Und? Sind Wunder auch Schicksal? … oder doch Zufall?

Hierzu auch mehr in dem Blog vom Februar, Lebensfragen / 2 : Schöpfung oder Zufall?

Thema April 2021: Nahetoderfahrungen

Alle verfügbaren Beiträge (2017-2020) in der Gesamtübersicht.

 

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