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Lebensfragen / 1

 Monatsbeitrag Januar 2021: Fragen des Lebens / 1: Visionen

Visionen oder Vorsätze?

Von Peter W. Köhne

Klare Ziele

Im Blog vom Januar 2018 hatten wir uns schon damit beschäftigt, wie es im neuen Jahr werden soll. Das Übliche sind neue Vorsätze, das kennen wir schon. Nicht einmal 10% der Ziele dieser Vorsätze werden wirklich erreicht. Woran liegt das? Weil wir leider immer wieder in unsere alten Muster rutschen, in die ausgetretenen Pfade, aus denen wir nicht herauskommen. Um neue Pfade anzulegen benötigen wir statistisch gesehen mindestens ein dreiviertel Jahr, wenn wir konsequent daran arbeiten. Nach fast einem Jahr Corona ist es dringend nötig, neue Pfade anzulegen und sich klare Ziele zu setzen. Ich möchte das an einem Bild erklären, das eigentlich aus der Entwicklungsbiologie von Zellen stammt.

Die epigenetische Landschaft

Dieses Bild ist die Metapher eines Balles, der in einem hügeligen Gelände den Berg hinunterrollt.  Welchen Weg wird er nehmen? Er wird den notwendigen, einfachsten und leichtesten Weg nehmen, um ins Tal zukommen.  Er hat keine andere Wahl. Das Bild der epigenetischen Landschaft stammt von dem englischen Biologen Conrad H. Waddington*. Er verwendete es wie gesagt in der Entwicklungsbiologie von Zellen. Der deutsche Pädagoge Edmund Kösel übernahm dieses Bild für den Entwicklungsprozess bei lernenden Menschen. Der englische Biologe Rupert Sheldrake* verwendet es im Rahmen der Theorie morph(ogenet)ischer Felder auch für den Entwicklungspfad von sozialen Systemen.

Chreoden

Dieses Bild epigenetischen Landschaft passen wir jetzt auf unsere Vorsätze an. Der Ball entspricht dabei dem Vorsatz, der sich durch unser „Bergland“ von Mustern und alten, ausgetretenen Pfaden ins Tal, also zum Erreichen des Zieles bewegen soll. Welchen Pfad wird er nehmen? Genau, er wird den notwendigen, einfachsten und leichtesten Weg nehmen, um ans Ziel ins Tal zukommen. Je tiefer der ausgetretene Pfad ist, desto schwieriger ist es, auf einen anderen, neuen und vielleicht besseren Pfad zu gelangen. Diese tiefen Pfade bezeichnete Waddington als Chreoden**. Bild A zeigt eine tief eingeschnittene Chreode, aus der kein Entkommen ist. Bild B zeigt eine Lösung, die darin besteht, dass wir schon zu Beginn einen größeren Freiheitsgrad haben, zu entscheiden, welche anderen Möglichkeiten bestehen zum Ziel zu gelangen. Diese Entscheidung sollte schon beim Festlegen des Vorsatzes erfolgen, damit wir nicht wieder in die Chreode hineinrutschen, aus der wir nicht mehr herauskommen.

Korrekturweichen

Was aber, wenn wir bemerken, dass wir doch wieder in den alten Pfad gerutscht sind? Was tun? Hierbei ist es wichtig, dass wir achtsam verfolgt haben, in welche Richtung die Entwicklung geht. Wenn wir dies früh genug bemerken, kann es uns gelingen, das Hindernis, den Wall, der uns in dem Pfad hält, durch eine neue Entscheidung zu beseitigen, damit wir in eine bessere Spur kommen. Bild C zeigt die Stelle, die wir mit einer neuen Entscheidung beseitigen müssen. Bild D zeigt den neuen Weg.

Kairos, unsere höchste Vision

Wenn wir sehr achtsam sind und Glück haben, dass wir Kairos, dem Gott der günstigen Gelegenheit*** begegnen, können wir diese Gelegenheit beim Schopf packen und möglicherweise unsere höchste Lebensvision erfahren. Das wäre natürlich das Ziel, das für unser ganzes Leben gilt, dem wir Schritt für Schritt weiter folgen können. Wichtig dabei ist, wir müssen diesen Schopf zu packen kriegen, denn Kairos hat nur vorne den Schopf, wenn wir zu lange zögern, greifen wir ins Leere, da sein Kopf hinten kahl geschoren ist.

Wenn wir diese Gelegenheit ergriffen haben, geht es nur weiter, wenn wir auch den ersten Schritt tun! Wie sagte Erich Kästner: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“

Übrigens hat sich sogar die Wirtschaft Kairos zu Nutzen gemacht, sie nennt es aber schon seit Jahren anders … last minute offer … die Gelegenheit beim Schopf packen …

Viel Glück, Konsequenz, Disziplin und Beharrlichkeit zum Erreichen der neuen Vorsätze und Ziele!

 

* Waddington bekam seine Anstöße von dem deutschen Biologen und Nobelpreisträger Hans Spemann von dem auch Sheldrake den Begriff des morphogenetischen Feldes übernahm.

** Chreode = gr. notwendiger Pfad

*** Kairos ist in der griechischen Mythologie  neben Chronos der zweite Gott der Zeit. Chronos gibt die Zeit an, die vergangen ist, Kairos gibt uns die Zeit für die Erfüllung unserer Vision.

Alle verfügbaren Beiträge (2017-2020) in der Gesamtübersicht.

 

Alle Grafiken stammen aus unserem Buch Die vorletzten Geheimnisse von Don Paris und Peter Köhne, Euro Verlag, Nieby, 1996